Der lateinische Ausdruck Alter Ego stammt aus den Schriften des römischen Redners Marcus Tullius Cicero. Dort heißt es allerdings ursprünglich „alter idem“ (= anderes Selbst) und bezieht sich auf das Verhältnis zu einem Freund. Der Philosoph Seneca d. J. wandelte dies zu „alter ego“ in der Bedeutung das andere Ich ab.
Inbegriff dieser Freundschaftsvorstellungen sind die griechischen Helden Achilleus und Patroklos im Trojanischen Krieg.
In einer Dissertation zum Thema „Die Freundschaft in Geschichte und Gegenwart“ an der Universität Hannover schreibt Andreas Schinkel:
In der antiken Freundschaftsauffassung bedeutete „allos autos“, dass die Freunde sich in ihrer Selbstverwirklichung glichen.
„Mein lieber (oder alter) Freund und Kupferstecher!“ ist eine halb ironische, halb vertrauliche Anrede an jemanden, mit dem man sich irgendwie auseinandersetzt. Literarisch kommt sie in Theodor Fontanes „Frau Jenny Treibel“ vor:
Die Redensart stammt von Friedrich Rückert, der mit dieser Formel die Briefe an seinen Freund, den Kupferstecher Carl Barth einleitete.
Carl Barth sammelte die Gedichte Rückerts und sorgte dafür, dass sie gedruckt wurden. Friedrich Rückert war ihm dankbar dafür und schrieb ihm viele Briefe, die immer mit der Anrede „Mein lieber Freund und Kupferstecher“ begannen. Während Rückert seinen Freund voller Freundlichkeit so titulierte, hat diese Anrede heute eine leicht ironische Bedeutung und vor allem das Wort Kupferstecher führt viele in die Irre. Mit dem Aufkommen des Papiergeldes hatten die Kupferstecher Voraussetzungen für das Fälschen von Geld, was wohl zum Bedeutungswandel beigetragen haben kann.
Diese Herkunft stellt Lutz Röhrich im Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten in Frage. Für ihn ist das Gedicht Rückerts „An den Gevatter Kupferstecher Barth“ zu wenig bekannt geworden. Für ihn ist noch nicht geklärt, warum sich der Beruf des Kupferstechers in dieser Formel erhalten hat. Er verweist auf Parallelen zu den sinngemäß im Obersächsischen gebrauchten Redensarten „Alter Freund und Bildermann“ (wobei es sich bei dem Bildermann um einen auf den Jahrmärkten anzutreffenden Schausteller handelte, der die Erzeugnisse der Kupferstecherei verkaufte) sowie „Alter Freund und Petschaftsstecher“.